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Keramik stiftet Identität

Globus Basel.

Das repräsentative Jugendstilgebäude am Basler Marktplatz, in dem das Warenhaus Globus zuhause ist, sollte als geschichtsträchtiges Wahrzeichen für die nächsten Generationen entwickelt werden. Dazu wurde der Altbau von 1904 grundlegend erneuert und erlaubt so eine zeitgemässe Retailnutzung.

Die Verkaufsflächen sind neu auf den verschiedenen Ebenen an die Stadt angebunden und wieder durch einen innenliegenden Lichthof in der Vertikalen verknüpft. Die Fassaden des Ursprungsbaus von 1904 und der ersten Erweiterung 1909 (Alfred Romang und Wilhelm Bernoulli), der Erweiterungen der 1930er Jahre (Suter & Burckhardt) sowie des Anbaus von 1975 (Suter & Suter) wurden nach denkmalpflegerischen Grundsätzen instandgesetzt. Die Arkaden im Erdgeschoss wurden durch Schaufenster ersetzt. Besonders auffallend ist der über den Dächern liegende Erweiterungsbau, der mit glasierten dunkelgrünen Keramikelementen verkleidet wurde.

Die Architektur des Umbaus und der Erweiterung verantwortete Miller & Maranta aus Basel. Für die Bemusterung der Keramik war die Swisskeramik AG aus Sarnen verantwortlich und die NBK Keramik GmbH aus Deutschland für die Massanfertigung. Die Bauleitung oblag der Confirm AG, Basel. Den Auftrag für die Montagearbeiten vor Ort erhielt die NEBA Therm AG aus Zofingen.

Interview mit Jean Luc von Aarburg, Partner Miller & Maranta

Welche Wirkung soll Keramik in einem Warenhaus wie dem Globus Basel erreichen?

Die Keramik soll dem Globus Basel vor allem Identität stiften. Sie verleiht den Innenräumen eine materielle Tiefe, die man sehen und spüren kann. Gleichzeitig knüpft sie an die Geschichte des Hauses und der Basler Altstadt an. Durch ihre Dauerhaftigkeit und sinnliche Präsenz wirkt Keramik als ruhiger Hintergrund für die sich ständig wandelnden Warenwelten im Innern und für die üppige Bepflanzung der Dachgärten im Äussern.

Zudem hilft Keramik, das Warenhaus im Stadtraum zu verankern: Sie nimmt die Materialität der historischen Umgebung auf, ohne diese zu imitieren und übersetzt sie in eine zeitgenössische Sprache. So wird das Kaufhaus nicht als neutrales Gebäude erlebt, sondern als charaktervoller, urbaner Ort mit eigener Stimmung.

Was hiess das für die konzeptionelle Gestaltung?

Konzeptionell erlaubte der Einsatz von Keramik, einen besonderen Ort innerhalb des Warenhauses auszuzeichnen. Der neu eingefügte Lichthof, welcher die vertikale Verbindung mit den Rolltreppen aufnimmt, ist vollumfänglich mit Keramik verkleidet. Brüstungen und Rolltreppenelemente sind mit fein gewellter Keramik belegt und werden durch das zenital einfallende Tageslicht sowie die seriell angeordneten Lichtbänder in Szene gesetzt. Die Keramikoberflächen verbinden die verschiedenen Ebenen der Warenwelt und erzeugen ein zusammenhängendes räumliches Gefüge. Wichtig war auch, Keramik nicht als additive dekorative Schicht zu verwenden, sondern als integralen Bestandteil der Architektur. Das betrifft Proportionen, Fugenbilder, Anschlüsse sowie Lichtführung.

Wo setzten Sie folglich überall Keramik ein?

Die Keramik wurde an den Fassaden des Erweiterungsbaus eingesetzt, um das neue Gebäude mit den Dächern der Altstadt in Bezug zu setzen. Die glänzend glasierte Keramik reflektiert das Sonnenlicht je nach Situation unterschiedlich und verändert sich im Lauf des Tages. Das durch ein Oblicht belichtete Atrium verbindet im Innern die Eingänge am Marktplatz mit der neuen, grünen Dachlandschaft. Die Keramikverkleidung der Rolltreppen und der Brüstungen des Lichthofs verstärkt diesen Bezug zwischen dem Innern und den neuen Dachgeschossen.

Globus Basel.
Globus Basel.

Welche optischen, haptischen und anderen Reize konnten Sie setzen?

Keramik bietet eine reiche Palette an optischen und haptischen Qualitäten, die in einem Warenhaus besonders wirksam sind. Als Architekten faszinieren uns die Variation von Glanzgraden, die leichten Farbnuancen innerhalb einer Grundfarbe und die lebendigen Lichtreflexe auf den glasierten Oberflächen. Auf der haptischen Seite erlaubt Keramik – obschon sie durch ihre Glätte etwas Hartes hat – durch die Tiefe von Reliefs und den unmittelbaren Glanz eine direkte körperliche Wahrnehmung. Keramik reagiert sehr sensibel auf Veränderungen des Lichteinfalls, sodass die Räume nie statisch, sondern immer leicht in Bewegung erscheinen.

Wie reagierte die Bauherrschaft auf Ihre Gestaltung?

Die Bauherrschaft reagierte mit grossem Interesse, denn die Wertigkeit des Materials und die eigenständige Farbigkeit unterstützte die Positionierung des hochwertigen Warenhauses. Natürlich kamen Fragen der Kosten sowie des Unterhalts dazu, diese konnten jedoch im gemeinsamen Austausch beantwortet werden. Die Verwendung der Keramik beschränkte sich auf Orte, welche die Identität des Hauses langfristig prägen. Dadurch liess sich der Anspruch an Dauerhaftigkeit mit der notwendigen betrieblichen Wandelbarkeit verbinden.

Welche Herausforderungen bot die praktische Umsetzung?

Die praktische Umsetzung eines keramisch geprägten Innenausbaus bringt einige Herausforderungen mit sich. Konstruktion und Detaillierung sind anspruchsvoll, da exakte Abstimmungen mit verschiedenen Unternehmen koordiniert werden mussten. Zudem verlangen Keramikplatten eine hohe Präzision in der Ausführung und kleine Abweichungen in der Montage oder in der Produktion fallen bei der Keramik stark auf.

Trotz dieser Herausforderungen lohnt sich der Aufwand: Ist die Keramik einmal präzise verlegt, entsteht eine robuste, schöne und dauerhafte Innenwelt, die dem Haus über Jahrzehnte Charakter verleiht.

KURT HUBSCHMIED, GESCHÄFTSFÜHRER NEBA THERM AG

Welches waren die besonderen Anforderungen und Reize bei dieser Arbeit?

Der Auftrag entstand durch die Offertanfrage der Confirm AG, mit der wir bereits mehrere anspruchsvolle und besondere Projekte realisieren durften.

Besonders hervorzuheben an der Fassade des Globus in Basel ist die Materialisierung sowie deren Formgebung: Drei unterschiedliche Formen gewellter Tonplatten greifen ineinander und erzeugen eine einzigartige ästhetische Wirkung. Es handelt sich dabei um ein sehr hochwertiges und entsprechend kostenintensives Material. Die drei Plattenformen wurden eigens für dieses Objekt entworfen und entwickelt. Dank des Zweibrandverfahrens sind zudem auch die Kanten glasiert, was die Qualität und Optik zusätzlich unterstreicht.

Die Verarbeitung auf der Baustelle war aus architektonischer Sicht speziell. Die Montageabfolge der unterschiedlichen Elemente auf der Tragkonstruktion war zwar nicht hochkomplex, stellte jedoch dennoch gewisse Anforderungen. Das entspricht letztlich unserem täglichen Handwerk.

Globus Basel.
Globus Basel.

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